Die Welt den Mutigen

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Wir sind heute genau zwei Monate auf Jück. Zeit, mal ein bisschen zu reflektieren, Luft zu holen und mal gar nichts zu planen. Was haben wir in den letzten Wochen alles erlebt und gesehen! Manchmal können wir es selbst kaum glauben.

 

Also: Heute mal ganz easy. Während ich im Hallenbad dümple, frühstückt Juan im Pingo doce und sammelt mich nach einer guten Stunde wieder ein. Zuhause gibt’s Vogelfutter (=Müsli) und ein Käffchen, dann sucht sich jeder eine Ecke mit seinem Buch. Sonne, Schatten, Sonne – gemütlich.

 

Erst nach Sonnenuntergang, so kurz nach halb sechs, raffen wir uns auf und marschieren in den Ort. Heute ist Mittwoch, es findet eine Art Nachtmarkt in den üblichen Hallen statt. Heisst es. Bei jedem Schritt ist spürbar, wie leer Lagos wieder geworden ist. Einige Kneipen nutzen die ruhige Zeit für Ferien, die Geschäfte schliessen früher. Wenig los ist auch auf dem Markt. Live-Musik in Halle 1, da stehen dann auch ein paar Food trucks, aus denen Bier und Schokolade, Nachos und mehr verkauft werden. In Halle 2 geht’s auch sehr gemächlich zu. Grosse Lücken zwischen den Ständen, kaum Kundschaft.

 

Uns treibt stechender Hunger bald wieder auf die Strasse. Wir wollen in der Altstadt mal etwas Neues probieren. Es zischt ein frischer Wind durch die Gassen, ein Hoodie wäre wohl doch besser gewesen, als das adrette Pullöverchen unter der Daunenweste. Die Karte des Restaurants „PiriPiri“ ist interessant, obwohl sie vielsprachig natürlich auf Touristen zielt. Aber das sind wir ja auch. Der Laden ist grösser, als vor der Fassade vermutet, weil er sich eisenbahnwagon-mässig bis zur nächsten Gasse zieht.

 

Erwartungsgemäss hören wir viel Englisch, ein bisschen Französisch und am Tisch gegenüber Deutsch. Es gibt viel Fisch, aber auch Fleisch – eine grosse Karte! Wir entscheiden uns fürs Menü 1 für 13,90 pro Nase: Butter und Brot (wird in Portugal immer berechnet), ein gute pürierte Gemüsesuppe, Fischfilets mit Reis für Juan, Huhn PiriPiri mit Pommes für mich, jeder bekommt noch einen Portion frischen Salat und ein Beerenmousse als Dessert. Der Hauswein kostet 9 Euro/Flasche – wir essen und trinken wirklich gut.

 

Für Unterhaltung sorgt der deutschsprachige Nebentisch: ein älterer Schweizer verkauft gerade sein Segelboot an ein Paar aus Köln. Er Ende 30, sie Mitte 30. Die sind so laut, dass man wirklich alles mitkriegt. Zum Beispiel, dass das Paar eine Eigentumswohnung hat, die vermietet werden soll, während sie mit dem Boot die Welt umrunden wollen. Sie haben Erspartes für vier Jahre – und überhaupt keine Ahnung. Ihre Wassererfahrung erschöpft sich in Zodiakfahrten auf dem Rhein. Und einmal waren sie Zelten in Kroatien, da hatten sie auch ein Gummiboot dabei. Auf die Idee mit der Weltumseglung sind sie gekommen, weil das im Lebenslauf besser aussieht, als eine lange Auszeit mit dem Rucksack. Der Schweizer bringt ab und zu ein „Ho hoo“ heraus, ist aber ansonsten eher sprachlos. 

 

Wir lachen noch auf dem ganzen Weg den Berg hinauf, auch deshalb, weil „meine liebe Frau Kerstin“ erst mal nicht den Atlantik queren will, weil der ja so gross ist, stattdessen lieber durch den Suez nach Osten. Wirklich irre, was man so hört. Aber irgendwie werden die es schon schaffen. Kerstin: „Sonst wird es eben das wunderschöne Kroatien.“ Nachtigall, ick hör dir trapsen…

 

Wir beenden den fröhlichen Abend in der Kneipe bei unserer walisischen Freundin: café et Grand Marnier. Bonne soirée…

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