Dänemarks Nordsee

 

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Jetzt also mal Dänemark. Die Nordseeküste. Hennestrand. Das sind ungefähr 360 Kilometer von Hamburg, kein Problem, wenn man schon um sieben auf der Strasse ist.

Bis Heide fahren wir ausnahmsweise Autobahn, weil sie uns fast allein gehört. In Friedrichstadt sind wir darum so früh, dass noch kein Café in dieser holländischsten aller norddeutschen Städte geöffnet ist. Dann eben ein Teilchen vom Bäcker und ein Schluck aus der Mug.

Wir tuckern weiter über Landstrassen, freuen uns über zwei Kraniche, einige Hundert Schwarzbunte und grandiose Gestüte, die perfekt in dieses platte Land passen. Mit Argwohn beobachten wir die Windräder, die parkartig einige Landstriche versaubeuteln. Aber es nützt ja nichts: Der Strom soll auch künftig aus der Steckdose kommen.

Hinter Leck, in Süderlügum, fällt mir auf, dass ich meine Steppweste vergessen habe. Das wichtigste Kleidungsstück auf allen Reisen, besonders am Meer. Das muss ersetzt werden.

Zwar klappt das nicht mehr in Holstein, dafür aber direkt hinter der Grenze bei den Dänen in einem Outdoor-Laden. Thema erledigt…

Kurz vor Esbjerg nagt der Hunger an uns. In einem Autobahn-Grillimbiss-Irgendwas bestellen mit zwei Würstchen mit allem: Schranke, Zwiebeln roh und geröstet, watteweiches Brötchen. 4 Euro und ein bisschen. Angekommen.

Der Schock auf dem Parkplatz. Wir haben keine Parkscheibe ins Fenster gestellt. Macht 795 Kronen (etwas über 100 Euro…) und super Laune. Die hält sich auch schön lange.

In Hennestrand ab zu Kobmand Hansen. Dem gehört diese ganze Ferienwelt offenbar. Über 600 Wohneinheiten hat er in der Vermietung. Häuschen im Wald, in den Dünen, in den Auen, überall… 1968 hatte der Kaufmann die grandiose Idee, Gäste hierher an die Nordsee zu bringen. Bis heute ein Erfolgsmodel.

Beeindruckend die Organisation: Wir bekommen in einer grossen Bürohalle einen Umschlag und einen leeren Wäschebeutel. Den füllen wir nebenan mit allem, was wir gegen Entgelt bestellt haben: Bettwäsche, Handtücher, Küchentücher.

Unsere Hütte liegt drei, eher vier Kilometer vom Meer entfernt und direkt am Golfplatz. Es ist Haus M einer puscheligen Reihenhaussiedlung unter Reet. Und es gibt alles, was man braucht in unserem 2-Wochen-Zuhause. Wie gut, dass wir keine Fahrräder fuer 55 Euro pro Nase, Woche und Stück bestellt haben – die gibt es nämlich gratis im Schuppen und dürfen ausdrücklich benutzt werden. Steht 8 Punkt klein in der Hausordnung. Ist ja toll!

Ansonsten ist das Haus hell und großzügig, hat unten eine grosse Terrasse und oben beim Schlafzimmer eine zweite. Ein Bad im ersten Stock wäre gut, aber man kann nun wirklich nicht alles haben.

Die Sonne scheint, die Laune bessert sich. Was soll‘s auch? Leben vermiesen kommt nicht infrage.

Wir machen einen Spaziergang zum Golfplatz: 18 Loch, sehr schön, sehr gepflegt, sehr menschenleer. Die Greenfees übernimmt unser Vermieter – kaum zu glauben! Pro Person und Tag eins. Den schnellen, kurzen Par-3-Platz müssten wir bezahlen, mal sehen. Hier ist alles genauso unaufgeregt wie im Ort.

Zwar haben Kueste und Duenen durchaus Syltqualitaeten, aber Kaschmir kennt man hier  allenfalls aus dem Geografieunterricht. Sehr relaxt, hyggelig, was Dänisch ist und gemütlich heißt.

Der Ort besteht im Wesentlichen aus einer Strasse, an der sich Bars, Eisdielen und Klamottenläden aneinanderreihen. An dem Punkt, an dem sich die Strasse teilt, wurde grob eine Eisbude hingezaubert, die aber mehr Øl (Bier) und Apérol Spritz verhökert. Da setzen wir uns hin, umgeben von schnatternden Dänen und Deutschen, und zischen ein Durstbier für 4,50. Wir haben bisher nicht eine einzige Dänenkrone in der Tasche; hier wird alles per Karte bezahlt.

Der Strand ist lang und breit und einsam. Wir klettern über ein paar Dünenwege und atmen tief ein und aus: Grossartig hier. Weil der Tag schon lang war, gegen wir kurz nach sechs ins Colosseum auf einer Düne am Ende des Dorfes essen. Ein Restaurant, das auf italienische und griechische Spezialitäten setzt. Das kann ja heiter werden. Wird es auch:  Ich oller Angeber frage auf Italienisch, ob die Kellnerin Italienisch spräche. Tut sie. Gut. Mein Italienisch ist erbarmungswürdig, aber deutlich besser als mein Dänisch. Also bestelle ich due pizze und einen mezzo rosso e acqua. Letzteres wird prompt mitsamt Wasser geliefert. Und dann hätten wir gern Brot. Mein Italienisch dazu ist kurz und makellos, die Kellnerin versteht Bahnhof. Alles klärt sich auf Englisch: Sie kommt wie die meisten hier aus Rumänien… Ihre Italienischkenntnisse sind noch mauer als meine. Wir lachen viel und werden mit 34 Euro auch nicht ausgeraubt.

 

 

 

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