Bisons & mehr

Der Tag ist schön und sonnig. Mit Blick auf die Rockies im Osten fahren wir am Flathead Lake vorbei nach Süden. Der See ist riesengross und ein beliebtes Feriengebiet im Nordwesten Montanas. Der treibt die Hotelpreise in Höhen von 400 – 700 Dollar. Pro Nacht. Das ist nichts für ein Päuschen. Das ist nicht einmal etwas für eine Übernachtung. Wir sind doch keine Flachköpfe…

Unser Ziel, das hat natürlich auch Croco völlig richtig erkannt, ist die National Bison Range, das Schutzgebiet für Bisons, in dem sie sich berappeln sollen. Vor über 20 Jahren standen wir am Eingang zur Range schon einmal vor verschlossenen Türen: zu spät gekommen, zu wenig Zeit, um zu warten.

Heute haben wir Zeit genug, zahlen bei einem hilfsbereiten Ranger 5 Dollar Eintritt. Es gibt zwei Strecken durch das Bison-Gebiet. Die lange Tour dauert zwei Stunden, die kurze nur eine. Natürlich machen wir die lange! Schmale Schotterpiste, aber Einbahnstrasse. So klettern wir immer höher und sehen traumhafte Panoramen von Montana: die schneebedeckten Rockies, den tiefblauen Flathead River, die ordentlich bestellten Felder in dieser überwiegend landwirtschaftlichen Gegend. Was wir nicht sehen: Bisons.

Dann taucht mal ein Tier auf, guckt dösig in die Sonne und trollt sich wieder. In der Ferne sehen wir mit Hilfe meines feinen Steiner-Safari-Fernglases noch ein paar – fürs Auge und für unsere Optiken zu weit entfernt. Langsam kriechen wir die Hügel hoch, hoffen immer auf die grosse Herde, die wir uns vorgestellt haben.

Nein, nein… Da mal wieder einer. Oder ist es ein Stein? Wer weiss. Insgesamt sehen wir bis hierher fünf Tiere mehr oder minder gut. Nach etwas über einer Stunde sehen wir eine entgegenkommende Spur: Hier treffen wir uns mit der Stundentour. Dann plötzlich mal ein Hirsch. Oder ein Schatten. Wir nähern uns einem eingezäunten Gebiet. Da sehen wir dann ein paar Bisons. Fünf, sechs, sieben.
Juan schlägt vor, den Stundentripp Idiotentour zu nennen, den 2-Stunden-Trip Vollidiotentrip. Och, nö. Wir haben wirklich schöne Landschaften gesehen, traumhafte Blumenwiesen… Wir lachen uns schlapp über unsere Erwartungen und die Wahrheit.

Und wir lachen noch mehr, als wir am Ausgang des Parks auf einen Imbisswagen treffen. Da werden Bisonburger angeboten. Ach soooooo! Da sind die Bisons also…

Die National Rattlesnake Range, ein paar Meilen östlich, besuchen wir nicht. Klapperschlangen und ich sind keine innigen Freunde. Und weiss ich, ob sie – im Gegensatz zu den Bisons – ganz viele Tierchen da haben? Ohne mich; davon träume ich drei Tage!

Ein paar Meilen später treffen wir auf die Interstate 90 Richtung Südosten, wollen aber noch mal in Missoula vorbeigucken, bevor wir im alten Staatsgefängnis von Montana ein Automuseum aufsuchen.
Huch! Was ist denn in Missoula los? Die ganze Stadt – nach Billings übrigens die zweitgrösste des Staates mit 65 000 Einwohnern – ist voll mit Oldtimern. Die tollsten Exemplare parken Seite an Seite. Alle Farben, Formen, Jahrgänge. Toll! Ich frage einen Bengel bei McDonald’s (Internet), was es denn damit auf sich habe. Dumpfe Ahnungslosigkeit. Noch nicht einmal die heissen Kisten hat er wahrgenommen. Naja… Später erfahren wir dann, dass eine car show stattfindet. Und ein grosses Countrymusik-Event. Und noch drei, vier Veranstaltungen. Im übrigen haben die Sommerferien begonnen, das Wetter ist grossartig.

Bei booking.com erwartet uns eine kalte Dusche: Sämtliche Unterkünfte in Missoula, mit Ausnahme eines bed&breakfasts für 260 Dollar die Nacht, sind ausgebucht. Alle! Wir beschliessen, zu campen. Der KOA-Campingplatz ist quasi in der Stadt, hat einen Pool, schreiende Kinder – und keinen einzigen Platz.
Na, toll. Es ist gleich fünf, also wieder auf die Bahn…

Plötzlich sehe ich in einem Motel namens Bel Aire ein vacancy-Schild. Juan will eigentlich gar nicht halten, weil das bestimmt wieder so eine teure Angelegenheit ist. 70 Dollar. Das ist ok! Sehr ok! Wir sind eigentlich schon richtig platt und froh, hier bleiben zu können.

Aber wir müssen noch einmal los, haben solchen Hunger, dass wir unleidlich sind. Wir gucken uns die grösste Mall im Umkreis von 200 Meilen aus. Auf dem Weg dahin fragen wir uns, ob wir eigentlich noch richtig ticken. Was wollen wir in einer Mall mit über 100 Geschäften? Natürlich nichts. Also cruisen wir über die Hauptstrasse und gucken nach Essbarem. Wir hätten Lust auf Asiatisches, finden aber nichts. Doch Arby’s? Schietladen…

Eher zufällig sehen wir eine riesige Blockhütte: Famous Dave’s. Nie gehört. Aber es scheint viel los zu sein. Da gehen wir jetzt hin! Während wir die umfangreiche Karte – barbecue ist das Motto – studieren, bringt uns eine Charlene schon mal zwei eiskalte Indian Ales vom Fass. Und dann entscheiden wir uns für ein Special für zwei. Für 39,90 tragen sie uns Beef, Huhn, Ribs, cole slaw, home fries, Maiskolben, Bohnen und Corn fritters auf. Eine Riesenportion, aber das Erstaunlichste: es schmeckt himmlisch. Und zwar alles! Ein seltenes Vergnügen.

Danach sind wir natürlich erledigt, aber glücklich.

Kommentare (2)

  1. Anel

    Como le van a sacar una foto al bufalo en una situación tan íntima! JaJaJa!!!

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  2. Anel

    Hermosas fotos!

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