Washington

Wir merken, wie sehr uns die über 15 000 Kilometer in den Knochen hängen. Morgens um sechs auf und los? Nun nicht mehr. Wir bleiben so lange wie möglich im Motel, sind erst kurz nach elf wieder auf der Strasse. Und damit natürlich wieder im Nebel. Manchmal entdecken wir ein Fetzchen Küste und sind ganz begeistert, aber je näher wir am Meer bleiben, desto dichter der Nebel.

 

Highway 101 tut uns allerdings den Gefallen, landeinwärts zu führen. Da ist der Himmel klarer, die Temperaturen steigen auf 22, 23 Grad. Grossartige National Forests flankieren unsere Strasse: Fichten, Eichen, Pappeln und viel mehr. Gewarnt wird immer wieder vor Elks, Hirschen, aber wir sehen nichts.

 

Die Küstenlinie Oregons fliegt an uns vorbei. Traumhafte, weisse Strände, beeindruckende Felsen, hohe Wellen, alles vom Nebel umwabert.

In Seashore gucken wir schon mal nach einer Unterkunft. Ein Apartment mit Küche und Brise – das wär’s. Das ist es aber nicht: Entweder brandteuer oder besetzt. Also hangeln wir uns weiter nordwärts. Astoria, der nördlichste Ort in Oregon, erschien uns ganz brauchbar. Einerseits der mächtige Columbia River, dann natürlich der Pazifik. Aber der Ort ist enttäuschend, die Hotels teuer und doof, vor allem, wenn man ein paar Tage länger bleiben will. McDonald’s wird wieder einmal unsere Zuflucht, damit wir im Netz rumgucken können.

 

Der Beschluss ist schnell gefasst: Ab nach Washington! Der Weg ins nordwestlichste Bundesland führt über eine wirklich beeindruckende, kilometerlange Brücke. 20 Kilometer später sind wie auf der Halbinsel Long Island, die uns schon mal ganz gut gefällt. Eine Anlage namens Breakers erinnert an das schöne Hotel in Gualala an der kalifornischen Küste, ist aber ganz anders. Beim ersten Zimmer, das wir uns hier ansehen, trifft uns fast der Schlag. Roter Plüsch und grauenvolles Chichi.

 

Die reizenden Damen an der Rezeption können meinen Schock nachvollziehen. Die Apartments gehören jeweils Einzelpersonen, die Geschmäcker sind natürlich extrem verschieden. Die Ladies knien sich ins Angebot, beratschlagen untereinander und finden tatsächlich eine Wohnung, die uns gefällt. Ist aber noch zu teuer, also muss ich wieder solange verhandeln, bis wir alle müde sind. Aber wenigstens stimmt der Preis nun. 

 

Von Balkon sehen wir über eine Wiese das Meer. Die Sonne scheint, es gibt einen Weisswein auf die Hütte, die wir erst einmal drei Tage gemietet haben. Schnell noch in einen Supermarkt, um den Kühlschrank zu füllen, dann stehen wir vor einem Problem: Wo ist der Schalter fürs Küchenlicht? Zu zweit suchen und suchen wir, bevor die Rezeption zur Hilfe eilt. Auch nur zufällig findet die Lady die Schalter, versteckt in einem Gemälde-Relief. Lachen oder weinen? Lachen gewinnt. Wir müssen uns unbedingt ein bisschen ausruhen. Das Reisen ist ordentlich anstrengend…

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert