Von Stewart nach Norden

 

Eigentlich wollten wir heute morgen noch die paar Kilometer nach Alaska fahren, um einen weiteren Gletscher anzugucken – aber nicht bei diesem Wetter! Es regnet in Strömen, dazu kommen tiefe Wolken und Nebel. Kurz vor neun sitzen wir im Auto, fahren erst die 70 oder so Kilometer zurück auf den Cassiar Highway 37 und dann schnurstracks nach Norden.

Was für eine Landschaft! Trotz des Wetters sind wir schwerst begeistert, spähen pausenlos nach Tierchen. Eine Sekunde gucke ich in einen Reiseführer, da sieht Juan einen grossen, dicken Schwarzbären. Naja, kommen mehr… An schönen Plätzen halten wir auf einen Blick, ein Päuschen, treffen auf zwei riesige Wohnmobile mit jeweils einem Auto hintendran: mobile Rentner aus New Mexico. Auch weit weg… Ab und zu düst mal ein Krad unter dem Regen hindurch: die Panamericana ist die Traumstrecke vieler Biker. Aber bei diesem Wetter?

Wir tanken fast überall, wo man tanken kann, denn nun sind wir wirklich in der Wildnis. In Bell 2, einem bekannten Ort für Heli-skiing (meine Welt: mit dem Helikopter irgendwo absetzen lassen und dann auf Skiern durch möglichst unberührte Natur zu Tal fahren), wollten wir uns umgucken. Auch wegen Regen ins Wasser gefallen. Wir trinken dort wenigstens einen heissen Kaffee, bevor es weitergeht.

Wälder, soweit das Auge reicht, Flüsse und Seen. Wer keinen Nerv fürs Autofahren über weite Strecken hat und Grün hasst, ist hier erledigt. Und dann ist es mal wieder soweit: Petzi! Leider kriegen wir ihn nicht vor die Optik, aber dafür prima zu Gesicht. Ein junges Paar aus Texas steht mitsam seinem schönen Silberwohnwagen in der Poleposition. Was für schöne Tiere! Der nächste Schwarzbär gehört wieder uns und grast so dösig direkt an der Strasse, fast hätten wir ihn übersehen!

Viel Schnee in den Höhen auf den nächsten Kilometern, bei uns irgendwo zwischen 300 und 1200 Meter Höhe herumfahrend eher Regen, manchmal wie aus Versehen Sonne. Irgendwo auf dem Weg sitzt ein merkwürdiges Tierchen herum. Wir drehen, gucken noch einmal: ein Silberfuchs. Juan geht ganz nah dran, da springt der Fuchs auf. Das Bild von dem Tierchen, das den Argentinier jagt, habe ich leider nicht…

Viele, viele Kilometer später nehmen wir trotz inzwischen müder Augen ein Fellbündel am rechten Strassenrand wahr. Wieder drehen wir um: porcupine, das Stachelschwein. So putzige Äuglein! Unser Wahrnehmungs-Zoo vergrössert sich. Am Strassenrand warnen Schilder vor Caribous, aber die sehen wir noch nicht.

Wo bleiben wir heute? Bis Watson Lake ist es definitiv zu weit. Dease Lake klingt ganz gut. Hier gibt es genau eine Tankstelle, die gleichzeitig Supermarkt, Liquor Store und Retaurant ist, ein völlig überteuertes Hotel und ein Büdchen mit Burgern und fries. Nee, nee, nicht schon wieder!

Ein paar Kilometer nördlich liegt ein Campingplatz direkt über dem See, den Juan schon ausgeguckt hatte. Traumhaft! Die Wildnis für 20 Dollar! Mit Plumsklo, ohne Dusvhe, aber Wifi beim Chef gegenüber.

Aus unseren Beständen kochen wir einen Gemüseeintopf, dazu gibt es Toast, wir trinken am Lagerfeuer einen Wein und finden, dass es uns verdammt gut geht.

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