Vom Süden wieder ins Elsass

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Der Abschied vom Mittelmeer fällt unter anderem deshalb schwer, weil die Wetterfrösche für den Norden nichts Gutes in petto haben. Allerdings ist’s am Sonntag in Aigues-Mortes mit 28 Grad noch schön warm, in unserem ersten Etappenziel Montélier mit 32 Grad sogar richtig heiss.

Das Hotel La Martinière hat seine besten Zeiten längst hinter sich. Darüber täuscht auch der kleine Pool nicht hinweg, dessen Infinity-Blick nonstop an eine massive Mauer rast. Wir kommen gegen halb drei an. Auf der Terrasse und in einem extra Speisesaal wird noch heftig getafelt, aber due Küche ist schon zu. Nicht einmal ein Baguette lässt sich der durchwachsene maître d’ aus dem Kreuz leiern.

Weil wir richtig Hunger haben, müssen wir eben zurück auf die Strasse. Ein paar Kilometer südlich scheint es in Chabeuil etwas zu geben. Aber außer viel, viel Tristesse nur einen Wein gegenüber dem historischen Stadttor. Und innerhalb des maroden Ortes die letzten pains au chocolat bei einer Bäckerin, die sich diesen 2-Euro-Umsatz nicht mehr erträumt hat. Fast hätte man der traurigen Tante noch ein Tip gegeben.

Nach einem ausgesprochen durchwachsenen Abendessen später im Martinière haben wir uns das Frühstück gleich geschenkt und in irgendeiner Boulangerie nachgeholt. Wenigstens ist das Wetter noch ziemlich gut mit Temperaturen um die 20 Grad und grandiosen Wolkenpanoramen sur la route.

Beaune ist unsere nächste Hoffnung, zumal es dort direkt am Golfplatz ein Hotel gibt. Vor dem hätte sich dann aber auch die Mutter von Psycho-Bates gegruselt. Unser Golfgeschirr setzt langsam Staub an, aber sei‘s drum.

Wir machen’s sehr amerikanisch, essen in einem Buffalo Grill und nächtigen im Hotel Coto, ebenfalls Teil einer Kette, die man ebenso wie den ganzen Laden am Stadtrand sofort wieder aus dem Kopf scheucht.

Der nächste Morgen versöhnt uns. Nicht, weil man in Beaune vor Begeisterung ein Rad schlüge, sondern weil das Umland so schön ist. Wir cruisen durch die Weinberge entlang der Route des Grands Crus du Bourgogne – sehr, sehr attraktiv! Nicht nur die Flächen und Hänge, sondern vor allem die zahlreichen Schlösser und Herrenhäuser haben es uns angetan.

Während wir immer nördlich Richtung Dijon fahren, fällt uns ein, dass wir überhaupt keinen Plan haben. Vielleicht nach Nancy? Oder Metz? Ach nee, da ist ja das blöde Atomkraftwerk Cattenom. Juan spielt auf dem Navy Klavier und lässt die Uschi eine Strecke in die Vogesen ausrechnen. Bei Epinal, der Hauptstadt des Departements Voges, gehen wir auf Hotelsuche. Nichts, das uns gefallen könnte. Also weiter.

Es wird das Maison Rouge in Barr, nahe Strassbourg. Noch 110 Kilometer Landstraße entfernt. Die Rezeption ist bis 20 Uhr besetzt, und kurz nach der Buchung in einem McDonald (immer 1a-wifi und ordentlicher Kaffee!) auf der Strecke errechnet uns Uschi die Ankunftszeit 19:58. Ja, ja, das wird schon…

Es gelingt uns, die wunderschöne Landschaft trotz des relativen Zeitdrucks zu genießen, durch Felder und Wälder zu fahren und um 19:53  vor dem Hotel zu bremsen. Parkplatz auf dem Hof, Zimmer im 2. Stock. Wir sind von der langen Reise zu sehr von der Rolle, um gegen nicht funktionierendes Wlan und den Mangel einer Tür zwischen Schlafzimmer und Bad zu protestieren… Sind die nicht dicht?!

Wir verschlingen im hauseigenen Restaurant eine Pizza und einen Flammkuchen und gehen früh in die Falle. Planlos fuer den nächsten Tag, versteht sich.

Das Frühstück im Maison Rouge in Barr ist wider Erwarten sehr gut. Aber als die Rezeptionistin zum Abschied “Auf Wiedersehen” sagt, merkt sie selbst… Ich habe ihr mal erzählt, was uns nicht gefallen hat. Zum Vorhang zum Bad meinte sie, die Falttüren gingen so schnell kaputt, der Lappen täte es schließlich auch. Und dass die Hellhörigkeit fürchterlich sei und ich ab fünf Uhr morgens die angeregte Unterhaltung unserer Nachbarn anhören musste – Schwamm drüber. Und zwar übers gesamte Maison rouge.

 

 

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