Victorville, Ca

Diesen verrückten Tag muss ich eben noch einmal durchsortieren, um ihn überhaupt auf die Reihe zu kriegen.

 

Das Ramada in Barstow stellt bis neun ein Frühstück zur Verfügung, check-out ist aber erst um zwölf. Also frühstücken wir zunächst einmal. Dann das Telefonat, das mir schon seit vier Uhr früh aufs Nervenkostüm hämmert: Jennifer von Tony’s Auto Repair in Las Vegas bestätigt, dass das Getriebe nun da ist und eingebaut wird. Um drei können wir Rosie holen.

 

Also können wir noch eine Runde im mittlerweile pieksauberen Pool schwimmen, duschen und ein eenig Luft holen, bevor wir gegen halb zwölf die 250 km retour nach Las Vegas in Angriff nehmen. Natürlich ist es wieder affig heiss, aber die Temperatur kratzt nur an der 40-Grad-Marke. In der Mojave-Wüste wird es erwartungsgemäss doch noch ein bisschen puscheliger, aber ganz plötzlich taucht eine Unwetterfront auf.

 

Was hier in kürzester Zeit an Wasser runterkommt, ist beeindruckend. Im Rückspiegel sieht Juan, wie sich ein Auto um die eigene Achse dreht – dank Schutzengel passiert nicht mehr. Ein Laster schafft es nicht und rutscht in den Graben. Gut, es regnet wirklich sehr heftig, aber die Amis können damit überhaupt nicht umgehen. Bremsen wie dumm oder geben irre Gas. Zum Glück geht alles gut. Die Temperatur, die kurzfristig auf 20 Grad sinkt, rauscht wieder hoch.

 

Ein paar Tröpfchen bringen wir auch noch mit zu Tony’s, aber dafür ist Rosie um drei nicht fertig. Also um vier, ohne road test geht das Auto sowieso nicht vom Hof. Jennifer ist da streng. Wir gehen uns irgendwo parken und sind kurz nach vier wieder auf dem Hof. Sofort stürzt Jennifer aus dem Büro: „You don’t have brakes!“ Wieso haben wir keine Bremsen??? Die Bremsscheiben vorn sind komplett runter. Bitte nicht! Doch. 

 

Und nun? Jennifer lässt gerade alles besorgen: „So könnt Ihr doch nicht vom Hof.“ Nee. Kurz vor fünf ist Rosie fertig. Neues Getriebe, neue Bremsen vorn (hinten hatten wir ja schon). Macht alles einen guten Eindruck.

 

Schnell zum airport, Mietwagen zurückgeben. Zurück mit einem Taxi, dessen Fahrer kurz vor Ohrfeigen ist. Er will 22 Dollar für die Fahrt, na gut. Dann noch drei Dollar für die Kartenzahlung. Und dabei gibt es dann die Tip- Optionen 25, 40 oder 50 Prozent des Fahrpreises. Steht auf ubserer Stirn doof? Wir geben ihm 26 Dollar und er haut maulig ab. Schief gegangen…

Nun aber: on the road again. Inzwischen ist es sechs. Vor allem wollen wir endlich abhauen aus Las Vegas, weg aus Nevada. Juan will weiter als Barstow, das Kaff hat ihn genervt.

 

Also fahren und fahren und fahren wir. Kurzfristig geraten wirnoch in einen kleinen Sandsturm, aber der geht auch vorüber. Zum Glück ist deutlich weniger los als heute vormittag. Kurz nach Barstow ist es dunkel, was aber viele Amerikaner nicht daran hindert, ohne Licht zu fahren. Ich war schon viele Dutzend Mal in den USA – so dämlich wie dieses Mal sind sie mir noch nie vorgekommen. Sie fahren Auto, dass es Juan die Frage aufdrängt, ob sie überhaupt eine Fahrprüfung machen. Machen sie ja, wenn auch nicht mit Europa vergleichbar. Solange sie ins Auto einsteigen und auf cruise control gehen können, klappt es ja ganz gut. Aber wehe, Regen, Schnee oder sonstwas verwirrt sie.

 

Also nun in Victorville, Kalifornien. Von dieser Stadt, 100 km westlich von Los Angeles, mit über 120 000 Einwohnern haben wir noch nie gehört, was ja nichts bedeutet. Wir fahren an irgendeiner von sechs Ausfahrten ab, halten vor Burger King und suchen über booking.com ein Zuhause. Das Motel New Corral wird für 65 Dollar unsere Hütte. Natürlich wieder in indischer Hand, aber das kennen wir ja schon. Es ist mittlerweile halb zehn, wir wollen noch etwas essen und ein Bier. Bei Denny’s gibt es Essen, aber kein Bier. Aber beim Nachbarn, in einem klassischen Diner. Wir teilen uns eine Chicken-Ribs-Combo, bekommen je ein Heineken und sind ganz fröhlich. Wie schön, dass dieser Tag rum ist…

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