Schmausen beim Papst

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Wir sind ein brot- und butterloses Völkchen. Das zwingt uns, den Schatten des Torre del Chito, den Pool und den Hügel zumindest für kurze Zeit zu verlassen. Es gibt mehrere Optionen: Schnell nach Poggibonsi zu Lidl/Penny/Coop oder die Supermarkttour verbunden mit einem kleinen Mittagessen in der Stadt.

 

Heute ist Freitag und damit der letzte Tag der dritten Woche in unserem toskanischen Refugium. Deshalb entschliessen wir uns zu einer dritten Variante: Schnell das Nötigste einkaufen, dann ein Paninnino im Ort, zurück zum Pool und abends zu Dinner nach Tavarnelle. Ein guter Plan.

 

Wir werfen uns – wie immer – in Shorts und Polohemd, lüften das völlig mit Staub verdreckte Auto einen Moment, schalten die Klimaanlage auf Temperatur Nordkap und juckeln die einspurige Schotterpiste runter Richtung Poggibonsi. Vorbei an einem Weingut, das auch Villen und Suiten vermietet, am 3-Sterne-Hotel San Giorgio, das mit 50 Euro/Nacht geradezu obzön günstig ist. Bei Gegenverkehr suchen wir irgendeine Ausweichmöglichkeit, ohne dass wir gleich in einen Weinberg fallen, lassen den Müll an den entsprechenden Containern und haben bald endlich mal wieder Asphalt unter den Rädern. Die Strassenverhältnisse in Italien – ich erwähnte sie bereits.

 

Am Ende der unsrigen müssen wir ganz scharf links abbiegen, um nach Poggibonsi zu kommen. Wir fahren rechts herum. Richtung Firenze. Die Strasse kennen wir noch nicht. Das ist ja mal wieder typisch… Aus dieser Perspektive sieht unser Weinberg, gekrönt vom Torre, auch sehr schön aus. Nur: Wir haben Hunger. Und bleiben gespannt, was sich daraus ergibt…

 

Ein paar Kilometer weiter sehe ich im Vorbeifahren ein krakelig geschriebenes Schild: Ristorante La Sosta Di Pio VII. Die Pause des Papstes… Juan dreht um, hinter einer Hecke können wir das Restaurant nur erahnen. Der Parkplatz ist rappelvoll. Kaum, dass wir unsere Kiste gegenüber eines Lamborghini (Treckers)  überhaupt unterbringen können.

 

Ein handgeschriebenes, verwittertes Schild: Trattoria. Merkeürdig: nur leere Tische in der Sonne. Aber auf der anderen Seite: Unter einem Plastikdach haben sich an vielleicht 15 Tischen italienische Vielfraße versammelt. Auf den ersten Blick sehe ich schon auf jedem zweiten Tisch ein riesiges Bistecca Fiorentina, das es nur auf Vorbestellung für 42 Euro pro Kilo gibt. Wir haben wieder einmal Glück und bekommen den letzten freien Tisch. Ausser uns und einer typisch schweizerischen Familie – Vater, Sohn, dessen chinesische Frau und zwei niedliche Jungs der beiden – sind hier nur Einheimische: Paare, Familien, Geschäftsleute. Eine Trattoria wie aus dem Bilderbuch.

 

Alle unsere Pläne für den Tag werden subito über den Haufen geworfen und wir entscheiden uns, hier und jetzt richtig zu essen. Mit Rotwein zum Frühstück, sozusagen, denn bisher haben wir noch keinen Bissen gegessen. Es ist halb zwei, als Wasser und Hauswein auf dem Tisch stehen, danach folgt eine toskanische Antipastiplatte. Kein Schnickschnack: Schinken, Salami, Aspikiges, Schwarzbrot mit warmer, dicker Tomatensauce, Weissbrot mit warmer Leberwurst, eine Spur Käse. Wir sind ja schlauer geworden und bestellen nur noch was zum Teilen. Nach dem Teller gibt es hausgemachte Papardelle mit Wildragout. Sogar das Brot wird in der Taverne gebacken. Nix Luxuriöses, nix Sterniges, alles ganz köstlich.

 

Natürlich sind wir eigentlich schon platt, als es zum Hauptgang geht. Juan hat sich ein Cinghiale bestellt; das Wildschwein wurde zu einer rustikalen Art Gulasch verarbeitet. Ich bekomme vier knusprige Spareribs vom Grill, dazu geteilte Röstkartoffeln. Alles gut, aber auch sehr, sehr viel. Trotzdem müssen wir noch das Sorbet vom Vino Santo probieren, schliesslich schmausen wir beim Papst. Zwei Liter Wasser und einen halben Liter Roten vernichten wir zu unserem grandiosen Mittagessen. Der Café zum Abschluss ist dringend nötig. Wir haben geschmaust und uns dabei Zeit gelassen udn verlassen die Trattoria fast als letzte. 

Ach ja: Brot und Butter! Das und etwas Wein kaufen wir noch schnell bei Coop in Tavarnelle ein, bevor sich über eine andere Holperstrasse der Kreis wieder schliesst. Zuhause im Schatten des Torre fallen wir fast nahtlos in den Pool und anschließend in eine Siesta.

Kommentare (3)

  1. Karin

    Ein perfekter Tag, was will man/Frau mehr

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    1. admin (Beitrag Autor)

      genau! Nur langsam beginnt das Kribbeln: Wir sind die vierte Woche auf dem Hügel bei Poggibonsi. Bald wird es weitergegen

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  2. anel

    Que lugar bellisimo!!Y que rico parece todo!

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