Samstag in Santiago

Relativ früh, so gegen zehn, sind wir schon wieder auf der Plaza de Armas auf der Suche nach dem Doppeldecker-Bus für unsere HopOn-HopOff-Stadtrundfahrt. Noch alles ziemlich leer, aber leider auch mal wieder nicht ganz unproblematisch. Wir hätten die Tickets vorher an irgendeinem Kiosk kaufen müssen, wird uns im Bus erzählt. Einer will uns rausschmeissen, ein anderer behalten. Dann einigen sie sich. Erst einmal können wir mitfahren und müssen später die Karten besorgen. 21000 Pesos pro Stück, rund 25 Euro.

Es ist noch ziemlich frisch oben im Bus. Die Ansagen machen das Klima nicht besser: So eine langweilige Stadtrundfahrt muss man erst einmal zusammenstellen. Alles, was wirklich interessant ist, wird links liegen gelassen. Dafür erklärt uns die Stimme aus den Kopfhörern genauestens die Umstellung von vielen Bussen auf wenige Busse, dafür aber einschliesslich Metro …

Im Stadtviertel Providencia erkennen wir Vieles wieder: Hier hatten wir vor drei Jahren ein Hotel. Eine Geschäftsgegend mit Hochhäusern, Wolkenkratzern und vielen, vielen Büros. Gut, dass wir jetzt in einem vitaleren Viertel wohnen. Sehr schön: Im Hintergrund die verschneite Cordillera. Morgen, liebe Anden, sehen wir uns aus der Nähe. Obwohl schon über eine halbe Stunde vergangen ist, können wir immer noch keine Tickets kaufen. Ein junger Mensch, ein Mitarbeiter, gibt sein Bestes, aber kommt keinen Millimeter voran. Wir sind nicht die einzigen ohne Tickets. Fast jeder hat ja schon mal Busse dieser Art genommen und immer an Bord kaufen können. Nun erklärt uns der Jüngling irgendwann, wir müssten an einer Mall aussteigen, da- und dorthin laufen, unsere Tickets kaufen und könnten dann mit dem nächsten oder einem anderen Bus weiterfahren. Wir bezweifeln, dass das jemand tut, fahren also schwarz und auf Nimmerwiedersehen weiter bis zum Halt.

Die Mall ist elegant, luxuriös und komplett amerikanisch. Sogar die Läden wie Gap und Banana Republic, Tony Roma und Ruby Tuesday. Aber auch hier sind alle, wie in der City, Halloween-irre: Die Kinder laufen mit abenteuerlichsten Kostümen und geschminkten Gesichtern herum, in denen sich langsam die Eiscreme mit dem Make-up mischt. Die Erwachsenen probieren noch ihre schönsten Verkleidungen. einige sehen so aus, als seien sie schon ausgehfein für die Halloween-Party, aber offenbar ist das ihr normales Outfit. Naja, jeder, wie er meint. Uns lockt ein Sandwich in einer der vielen Bars. Dort beobachten wir auch zwei sehr, sehr elegante ältere Damen und Juan erzählt mir, dass es in dieser Gegend Chiles besonders viele sehr wohlhabende Menschen gebe. Die beiden gehörten eindeutig dazu. Als wir das Café verlassen, höre ich sie sprechen: Engländerinnen… Wir gucken noch ein Stündchen hier und da, wollen aber doch lieber wieder zurück in die Stadt. Interessanterweise verweist die Lady an der Mall-Information sofort an den Doppeldecker-Bus. Aber auf Nachfrage gibt sie dann doch an, dass es auch ganz normale Busse, die natürlich nur einen Bruchteil kosten, gibt. Die suchen wir mal. Inzwischen ist es warm geworden, wir sind schon wieder ein paar Stunden gelaufen und haben keine Lust, uns in ein volles Verkehrsmittel zu setzen. Also schnappen wir ein Taxi. Taxifahren ist in Chile wirklich billig. Und wir haben ja sooooo viel gespart durch unsere ungewollte Schwarzfahrt. Für ein paar Euro bringt uns der Fahrer über ein Autobahnstück zurück in die Stadt, wieder mal zu unserem schönen Markt. Das erste, was ich dort entdecke, ist ein lebendiges Lama… Gehört jemandem, der wahrscheinlich damit tanzt oder andere Kunststücke vorführt. Armes Lama…

Wir laufen mal wieder los, gucken uns neue Teile der Altstadt an, sind aber irgendwann fix und fertig. Sieben Stunden sind wir mehr oder minder durchgewandert – also: ab nach Hause, bevor uns die Halloween-Horden, die jetzt durch die ganze Stadt turnen, erschrecken. Füsse hoch und einen Moment ausruhen.

Heute Abend werden wir wahrscheinlich irgendetwas improvisieren, schon mal ein, zwei Tütchen ins Auto laden und früh ins Bett gehen. Morgen um halb zehn kommt der Vermieter zur Wohnungsübergabe – und wir fahren subito los.

 

 

 

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