Ordentlich heiß in Sopot

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Unser Plan ist sportlich: Erst spätes Frühstück auf der Monte Cassini, der lebendigen Lebensader von Sopot, dann runter zur Mole. Schwenk links parallel zum Strand, vorbei am Sheraton und dem prunkvollen Grand Hotel, irgendwann in entgegengesetzter Richtung, wieder am gut besuchten Strand entlang. Alles in allem fast 16 Kilometer.

 

Eigentlich  kein Problem, aber… Es ist so brütend heiß hier am Ostseestrand, dass wir nach vier, fünf Kilometern schon fix und alle sind. In einem klimatisierten chinesischen (!) Hotel atmen wir kurz mal durch.

 

Immer um die 30 Grad, kein einziges Lüftchen. Die Schwere von Kokosöl liegt wie eine Kuscheldecke über dem Strand.

 

Als wir nach einer kühlenden Siesta am späten Nachmittag wieder auf der Straße sind, sehen wir sofort, was die Hitze bei einigen angerichtet hat: dunkelrot verbrannte Haut überall. Kennt man eigentlich nur bei Engländern auf Malle. Es scheint, dass diese hohen Grade auch für die Polen höchst ungewöhnlich sind. Darum aalen sie sich am Strand, bis jeder Dernatologe leise weint.

 

Apropos:  Es ist nachmittags ausgesprochen laut im Ort! Letzte Wahlkundgebung vor der Wahl am Sonntag. Blaskapelle vor der Kirche, Einheizer mit dem Megaphon. Mittendrin Polizei. Kippt das Gganze? Wird das slawische Herz rebellieren? Nein.

 

Nichts passiert. Die Kundgebung endet so friedlich, wie sie abgehalten wurde. Wir beobachten das bei Pelmenie und mit Gänse- und Rinderhackfleisch gefüllten Kohlroulädchen auf einer Restaurant-Terrasse. 

 

Langsam sinkt die Temperatur auf wunderbare 25 Grad: So kann man natürlich leicht auf der Mole wandeln. Wir genießen den leicht diffusen Sonnenuntergang bei leichtem Wind. Die letzten Jachten laufen in den Hafen ein. Möwen schreien noch ein bisschen, wir wandeln Lust mit einigen Hundert anderen. Viele nehmen zu dieser späteren Stunde noch mal ein Bad im Meer, andere feiern bereits ihre Party am Strand.

 

Schon seit Tagen fragen wir uns, warum wir Polen Küste in den letzten Jahren so schändlich vernachlässigt haben. Es ist wirklich sehr schön hier. Und es gibt viel zu gucken: Modische Frauen, Männer, die mit verbreiterter Irokese auf dem Kopf flanieren, ältere und jüngere Einheimische und auswärtige Touristen. Ein paar hippe Mädchen versuchen, sich ein paar Slotys mit ihrem noch jungen Geigenspiel  zu verdienen, Omis sitzen einfach nur da und hoffen, dass ihnen jemand die Blümchen aus dem Garten abnimmt.

 

Sopot hat etwas trutschig Mondänes. Das gefällt uns gut. Bei einem Bier auf der Flaniermeile gucken wir, was es zu sehen gibt. Und das ist außer sonnenverbrannter Haut wirklich viel!

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