Oh, wie kultiviert!

Plan 1 hat nicht geklappt: Wir wollten aus Lagos vor Sonnenaufgang losfahren. Also muss Plan B herhalten: Es wird dann doch fast neun, bis wir den gesamten Krempel untergebracht haben. Wieso braucht man so viel Gepäck? Ich werde es nie verstehen…

 

Mit Wehmut gucken wir noch mal in die Bucht, sagen den Störchen fast per Handschlag „auf Wiedersehen“, stellen fest, dass auf „unserem“ Golfplatz noch nichts los ist und fahren mit viel, viel Sonne auf der Autobahn über Faro nach Spanien.

 

Direkt nach der Grenze bemerken wir schlagartig, dass wir uns in einem anderen Land befinden. Ist Portugal wild und schwer zu bebauen, ist Spanien ein Vorzeige-Agrarland. Als erstes stellen wir mal vor Huelva die Uhren um: Sie klauen uns eine Stunde, es ist also schon später.

 

Irgendwann tanken wir, weil a) der Tank fast leer ist und b) das Benzin hier in Spanien fast 30 Cent pro Liter billiger ist. Dafür sind Kaffee und Sandwich teurer als in Portugal. Man kann eben nicht alles haben. 

 

Aus Jux haben wir schon mal in Lagos Barcelona als Ziel eingegeben: 1227 Kilometer. Das heißt: Erst einmal Autobahn und Kilometer fressen, sonst kommen wir ja nie an. Dass unsere Uschi einen Knall hat, haben wir ja immer schon mal vermutet, aber weshalb sie uns von der Autobahn durch Sevilla schleust, wird ihr Geheimnis bleiben. Versteh einer die Navis!

 

Fortan werden wir flankiert von ausschließlich kultiviertem Land. Haben die Portugiesen noch Platz für unzählige Golfplätze, bepflanzen die Spanier jedes Quäntchen, vorzugsweise mit Olivenplantagen. Stundenlang krabbeln wir über Hügel und durch Täler, sehen neben den Oliven viele keramische Fabriken, sind froh, dass sich kurz vor Bailen der Verkehr ein bisschen lichtet.

 

Hier soll es eigentlich auf die Landstraße gehen. Tut es aber nicht, denn wider Erwarten gibt’s auch hier eine Autobahn. 

 

Nach über 650 Kilometern rollen wir endlich in Villanueva del Arzbispo ein. Kann man leicht vergessen, sollte man auch.

Für 54 Euro checken wir im Hotel Torres 1 ein. Das Zimmer im dritten Stock sieht zwar auf den ersten Blick aus wie ein Puff in Polen, aber wir sind ja zutraulich…

 

Erst einmal ein Bier in der Cafeteria. Zwei kosten 4,40, Juan gibt einfach mal 5. Damit hat er uns das Tor ins Schlaraffenland geöffnet. Unterstellen wir einfach mal.

 

Der Barkeeper ist auch Maître d‘ und Kellner. Wir sind die einzigen Gäste in einem Séparée für vielleicht 30, 40 Leute.

 

Als erste Maßnahme macht unser Kellner mal die Heizung an. Wir bestellen Hauswein und Wasser, Gegrilltes und  Gebratenes vom Schwein.

Zum Wein kommen Chips  und Oliven, aber dann trägt der Kellner eine hausgemachte Paté vom Rebhuhn und nussumkränzten Frischkäse auf. Ein Gruß aus der Küche. In diesem Laden! Und zwar ein sehr guter Gruß.

 

Es kommen die Hauptgerichte. Gut, aber nichts, um ehrfürchtig zu werden. Als Dessert bestellen wir eine Flan mit zwei Löffeln, vor dem Licor de Hierbas, wie wir dem Kellner fröhlich versichern. Die licores bringt er schon mal als Gruß des Hauses. Aus dem Flan hat er gleich zwei gezaubert. Was wie ein Sahnehäufchen aussieht, entpuppt sich als eine ausgezeichnete  Meringue auf Blätterteig. Sehr, sehr gut!

 

Im großen Restaurant nebenan, das inzwischen geöffnet ist, gibt es offenbar ein Valentinstagsfest – aber unsere Soiree im Séparée war definitiv besser!

 

Das Sahnehäubchen an diesem Abrnd sind dann die Bilder, die Cousinchen Elke aus Hamburg schickt: Gemeinsames Essen mit Natzilie und Thommy im Brodersen an der Rothenbaumchaussee. Auch schön!

 

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