Neues von der Küste

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Ich bleibe mal bei Hyggeby, weil dieser Ort, diese Gegend soetwas Gemütliches, Beruhigendes, Faszinierendes, Traumhaftes (…) ausstrahlt. Diese Beschaulichkeit hält uns nicht von Ausflügen in die Region ab. Auf unseren Landpartien bewundern wir grosse Felder, immense Viehherden, mal einen kleinen Stand mit Erdbeeren, mal einen mit Frühkartoffeln. Ab und zu stehen zwei, drei Leutchen zusammen und schnacken. An den Kassen der Supermärkte wird niemand hektisch, wenn ein Ömchen oder sonstwer etwas länger nach 10 Øre kramt. Fahren wir durch Orte, spiegelt sich das dänische Leben überall wieder. Hyggelig.

Heute ist bei Forbes die Liste der glücklichsten Länder veröffentlicht worden. Dänemark liegt hinter Finnland auf Platz 2. Nummer 8 ist Neuseeland, und das können wir gut verstehen. Vieles hier erinnert uns an Neuseeland: die endlosen Strände, der kaum vorhandene Verkehr auf den Strassen, die freundliche, aber nie übertriebene Art der Menschen. Bis heute ist Neuseeland für uns ein Musterländle in Bezug auf Ordnung und Sauberkeit. Diese Kante Dänemarks, dieses platte Land, kann es mit denen aufnehmen. Und ist nicht so entsetzlich weit weg.

Gestern sind wir ganz zufällig in einem Kaff namens Stauning gelandet. An der Ausfahrt zum Ringköning Fjord Holzhäuschen, die man einzeln klauen könnte. Fischerbötchen, ein paar Segler, eine Kneipe, die schon nachmittags dicht macht. Und überall Bänke, auf denen man Stunden verbringen könnte.

Etwas später klettern wir auf einen Vogelbeobachtungsturm und begeistern uns für einen Löffler und die Tattoos eines mächtigen Mannes aus Eisenhüttenstadt. Der hat seinen schwarz-matten Monstertruck rasant geparkt, beobachtet dann aber still und leise die Marsch, die Heide, die Vögel, bevor er sich wieder in die Karre wuchtet.

Damit wir nicht schon wieder die ganze Runde über die Fjordnehrung machen, drehen wir um. Kaum Zeit zu Erholung, den  um 17:52 haben wir eine Startzeit auf dem Golfplatz. Dieses Gelände ist ebenso schön wie die ganze Gegend. Das Rough besteht aus hohen Gräsern oder flacher Heide, aber die Fairways sind so breit, dass man sich nicht ständig in die Büsche schlagen muss. Allerdings gibt es auch ein paar Tücken: Hügel, über die man schlagen muss. Um nicht aus Versehen einen vorlaufenden Flight zu treffen, wurden richtige Ausgucke angelegt. Treppe hoch, alles klar, Treppe wieder runter, grobe Richtung spielen. Schön! Es ist noch heller Tag, als wir gegen neun unsere Runde beenden. Toll hier! Hab ich, glaube ich, schon erwähnt.

Nach einem reinen Sonnentag mit angekündigten 14 Stunden Sonne müssen wir uns heute für den Abend aufbrezeln. Aufbrezeln bedeutet hier, dass man sich einen Hoodie unter den Arm klemmt, falls es frischer wird. Denn wir gehen gleich an den Strand und feiern mit den Dänen Sankt Hans, die Sonnenwende. Was Schweden und Norwegen schon am 21. Juni mit sicherlich epochalem Besäufnis gefeiert haben, klingt hier nach einer eher ruhigen, hyggeligen Veranstaltung: Umzug durch Henne Strand an den Beach, ein paar Worte des Pastors, dann wird das Feuer angezündet, mit dem Hexen und anderes Böse  vertrieben werdennsoll. Wir sind gespannt!

Wissen aufgefrischt. Die Jütländer erklären das traditionelle Fest wie folgt: „Sankt Hans ist ein Verschmelzen von vielen Traditionen. Jesus‘ Vater, Johannes Døberen, hatte angeblich am 24. Juni Geburtstag und da wir in Dänemark die heiligen Tage einen Abend davor feiern, feiern wir Johannes Geburtstag am Sankt Hans. Es ist auch der Name Johannes, welcher in Sankt Hans verkürzt wurde. Außerdem wird Sankt Hans am Mittsommerabend, der kürzesten Nacht des ganzen Jahres, gefeiert. Die Leute erzählen Geschichten darüber, dass dieser Abend besondere Kräfte zum Leben erweckt, welche unter anderem an diesem Abend für medizinische Künste eingesetzt werden.

Zurück in der Zeit diente das Feuer am Sankt Hans Abend als Weckruf, um darauf hinzuweisen, dass die Tage kürzer und böse Mächte ferngehalten werden. Eine der bösen Mächte, welche man angeblich nur in der magischen Nacht finden konnte, waren Hexen. Daher verbrannte man bis 1693 Männer und Frauen auf dem Scheiterhaufen, wenn man sie als Hexen und Zauberer verdächtigte. Es dauerte allerdings bis zum 20. Jahrhundert, dass die Tradition, eine Hexe für das Lagerfeuer herzustellen, entstand.“

Johannes Døberen war Jesus‘ Vater? Steht da… Reisen  bildet!

 

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