Kultur & Natur

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In Jaca hält es uns nicht länger als nötig. Schnell einen Kaffee im Stehen. Auf dem Weg aus den Bergen zeigt sich noch einmal die ganze Schönheit der Berge: atemberaubendes Panorama. Ich wäre allerdings fast hingefallen, denn der Boden war vereist. Kennt man ja auch kaum noch…

 

Und schon sind wir auf dem Weg nach Huesca. Die Altstadt ist ganz schön, das Benediktinerkloster mitsamt Kirche und Fresken aus dem 12. Jahrhundert auch. Aber das ist alles nichts gegen die Kathedrale und das Museum der Diözese. Wir zahlen zwar grundsätzlich keinen Eintritt in Kirchen, aber die 2,50 hier fürs Seniorenticket (!) waren lohnenswert. Tausend Jahre Kirchengeschichte, dargestellt in Meisterwerken aus dem 15. und 16. Jahrhundert, Schnitzerein, Marienbildnisse als Unikum, Tryptichon. Dazu Kirchenschätze, deren Provenienz eindeutig ist: viel Gold und noch mehr Silber, verarbeitet zu Schmuck, Kreuzen und ganzen Altären. Klar, dass Mittel- und Südamerika sich von diesen Raubzügen kaum erholen konnten. Auch in der Kathedrale wird üppig gezeigt, was man hat.

 

Nach so viel Glanz und Gloria brauchen wir mal einen Kaffee in einer der zahlreichen Bars. Dort gucken wir auch mal, wie es weitergehen soll. Ein Ort namens Tudela scheint uns aus keinem besonderen Grund einen Zwischenstopp wert zu sein. Uschi kennt sich mal wieder aus. Aber das ist ein Trip, für den es mir leidtut, dass man ein Navi nicht ohrfeigen kann. 

 

Wir sind ja schon heisse Strassen in Nord- und Südamerika gefahren, haben uns über Schotter in Australien und Asien gequält. Aber da hatten wir jeweils ein Allradfahrzeug unter uns. Nun muss der Benz zeigen, was er drauf hat. Ripio, also Schotter mit kindskopfgrossen Steinen, hohen Mittelstreifen und zugeregneten Schlaglöchern. Es gibt auch nur ein Vor, kein Zurück. Mein Pirat der Landstrasse hat das Gefecht gegen den Treckerpfad mit engelsgleicher Geduld gewonnen. Ich bin sicher: In irgendeiner fernen Hütte hat ein Ömchen mit einem uralten Fernglas am Fenster gesessen und zugesehen, wie wir in der smarten Limousine quer durch die Felder gehoppelt sind. Hoffentlich hat das Ömchen seine Beobachtungen für sich behalten. Andernfalls würde die Familie spätestens jetzt einen Heimplatz suchen – das glaubt kein Mensch!

 

Mehr als eine Stunde sind wir so holprig unterwegs. Auch die Alternative des Navis führt wieder auf einen Schotterweg. Es reicht. Wir nehmen die Autobahnsperre raus und fahren Richtung Autobahn durch wüstenähnliche Landschaften. Wähnten wir uns vorhin mal in Patagonien, scheint es nun Nevada mit seinen Wüsten zu sein. Die letzten 30 Kilometer nach Zaragossa haben wir schnell hinter uns. Langsam wird es dunkel, aber wir haben überhaupt keine Lust auf Stadt, also rutschen wir an dieser vorbei. 40, 50 Kilometer weiter Richtung Madrid biegen wir ab nach Calatayud. Das Hotel, an das wir gedacht hatten, ist gruselig, aber wir haben ein anderes auf der Strecke gesehen. Das Hotel Marivella in Marivella. Ganz in Ordnung, das Restaurant öffnet allerdings erst um neun. Darum gibt’s ein Sandwich und einen Wein in der Cafeteria und jetzt auch schon mal Text und Bilder…

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