Kleine Stadtrundfahrt

So. Die kleine Depri-Phase ist nun vorbei, man muss sich schließlich zusammenreißen können. Wir unternehmen den nahezu letzten Versuch, unser Auto loszuwerden und fahren in die Avenida Warnes. Ein berüchtigtes Viertel, in dem allerlei Leute mit Autos neben allerlei Normalem auch allerlei Verbotenes tun. Allerdings nicht mit dem Grauchen, das will niemand haben. Irgendwie leuchtet das ja auch ein. Wir würden ja auch nicht auf den Hamburger Kiez gehen und lauthals völlig Unbekannte fragen, ob sie uns vielleicht mal eben eine Knarre verkaufen könnten. Aber so sind wir eben: ein bisschen dösig.

Irgendwo im Zentrum dieser Strasse, der so viel Mafiöses zugeschrieben wird, treffen wir Federico, Juans Bruder. Aber der hat auch keine richtige Idee, also schnacken wir nur ein bisschen und bringen wir ihn zurück zu seinem Wagen, den wir auf Anhieb allerdings nicht finden. Aber alles wird ja bekanntlich gut, so hat auch diese Suche bald ein Ende.

Wir machen mit dem Grauchen eine kleine Stadtrundfahrt. Klein? Die Stadt ist wirklich ungeheuer groß. Um in das Viertel zu kommen, in dem Ana und Juan geboren wurden – Villa Luru – sind wir schon ordentlich unterwegs. Dort steht allerdings kaum ein Stein mehr auf dem anderen. Alles Neubauten, sogar Juans geliebtes, altes Kino ist der Abrissbirne zum Opfer gefallen. Für ihn ist hier kaum etwas wiederzuerkennen. Sogar das Kirchlein seiner Erstkommunion finden wir nur zögerlich.

Bald sind wir wieder unterwegs Richtung Innenstadt. Wie schön sind bloß die alten Giebel! Die Kolonialbauten, die zum großen Teil zwar schon ziemlich verfallen sind, aber deren Schönheit sich bestens erahnen lässt. Und die großen Straßen. Mitsamt dem wahnsinnigen Verkehr. Wie wir uns wohl in Hamburg fühlen werden?

Als hätte er unsere Gedanken gehört, bekommen wir eine Sms von Starke: alles gut, Ella geht noch mal mit dem Lappen durch die Bude, wir können kommen. Schön!

Kein Wort von den Indern, aber ich habe die Flieger mal nachgeguckt – sind offenbar alle gut angekommen. Auch schön. Wir genehmigen uns ein Sandwich im Café Poesia und danach eine Siesta, die ich dafür nutze, den Nele-Neuhaus-Zweiteiler „Böser Wolf“ in der Mediathek anzusehen. Drei Stunden gut gespieltes und inszeniertes Fernsehen. Interessantes Stück.

Abends gehen wir nur noch kurz um die Häuser. Die Temperatur ist auf 24 Grad abgekühlt. Fast frösteln wir…

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