Hot & Sweet

Wir tüdeln zu viel im Haus rum. Hintergrund ist die mörderische Hitze, die uns vor der Tür entgegenschlägt. Juan ist in Facebook gefangen, ich lese den Anfang eines Romans, an dem meine Freundin Andrea gerade schreibt. Und bin ganz begeistert. Das macht sie richtig, richtig gut. Nun hat sie mich im Nacken, damit sie trotz ihrer schwierigen privaten Situation weitermacht. Sie hat mich gebeten, das Lektorat zu übernehmen, was ich auch tun werde und worauf ich mich freue. Das wird mein Ollschi noch bereuen 🙂

 

Aber erst einmal machen wir einen kleinen Ausflug, nachdem die letzten Eier zum Frühstück gerührt, die letzten Toasts dazu geröstet wurden. Der Plan: Menschen in der Stadt sehen, mal wieder wegkommen aus dem Dorf. Zwei, drei Stationen mit dem colectivo, dem Bus – und rein ins Leben. Den Bus schenken wir uns und gehen gleich zu Fuß. „Wie die Ägypter“ ist ein stehender Begriff bei uns. Und der bedeutet: Schön langsam und möglichst im Schatten spazieren.

So kommen wir mal wieder an meinem alten Verlag Atlantida vorbei. Was wohl das verwöhnte Verlegertöchterchen Mary Vigil treibt? Sie hat sich vor 20 Jahren, als wir hier gegen ungeheuer viel Geld ein paar Monate lang die Redaktion einer Fernsehzeitschrift umgebastelt haben, um uns gekümmert. Vor allem um unseren Chef Uli 🙂 Juan hat gelesen, dass die Familie Vigil ihr Medienhaus vor ein paar Jahren an eine mexikanische Gruppe verkauft hat. Also wird Mary wahrscheinlich leise vor sich hinträllernd ihre Millionen zählen.

Während wir über die Superreichen Argentiniens schnacken – das Land gehört knapp zwei Dutzend Familien -, kommen wir auch schon zur Casa Rosada, dem Regierungspalast. Wie seit Jahrzehnten sind auch an diesem Donnerstag Mütter und Großmütter vieler in der Diktatur Verschleppter und Ermordeter auf dem Platz, der Plaza de Mayo, versammelt. Sie kämpfen unerbittlich und unermüdlich um Aufklärung der Verbrechen.

Es formiert sich noch eine andere Gruppe zu einer Demo, wir können aber nicht erkennen, welches Ziel sie verfolgt. Demonstrationen, gern verbunden mit Straßensperren, sind in Argentinien an der Tagesordnung. Für morgen ist etwas Großes geplant, deshalb sehen wir heute schon überall Sperrgitter – und morgen zu, dass wir da nicht aus Versehen hineingeraten. Wir gehen mal weiter Richtung Florida, gucken, laufen, schwitzen, bis wir ein klimatisiertes Eckcafé auf der Sarmiento finden. Päuschen bei Sandwich und Bier. Trotz bis zum Anschlag aufgedrehter Klimaanlage ist es noch warm in diesem großen Laden.

 

Da unser Kühlschrank komplett leer ist, wir aber nicht immer in den Kneipen hocken mögen, müssen wir einkaufen. Auf der Suche nach einem vernünftigen Supermarkt laufen wir schon wieder in Richtung San Telmo – und landen fix und fertig im Bambi, unserem Lieblingsmarkt auf der Chacabuco. Hier kennen wir uns aus, schnappen dies und das und fahren mit unseren Einkäufen das letzte Stück nach Hause mit dem Taxi.

 

Während wir ein bisschen abkühlen, gucke ich mir auf youtube die erste Folge von „Borgen“ an, einer Art dänischer Version von House of Cards. Gut gemacht, sehr spannend. Ich kann mich partout nicht erinnern, wer mir das empfohlen hat, aber danke an diejenige oder denjenigen. Ist wirklich sehenswert!

Gegen zehn werfe ich dann ein paar frische Nudeln in den Topf, die gibt es mit  Tomatensauce zu einer Flasche Malbec. Nudeln machen ja bekanntlich glücklich…

 

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