Grande Cache, Alberta

 

So ganz im Klaren sind wir uns heute morgen noch nicht: Wie fahren wir in den Jasper Nationalpark? Über Prince George oder folgen wir der klassischen Rocky Mountains Tour über den Highway 40?

Eigentlich tendieren wir zur 40. Von Fort St. John nach Dawson Creek sind es nur knapp 80 Kilometer. Wie es sich gehört, fotografieren wir auch gleich den Hinweis auf die Meile Null des Alaska Highways. Auf dem haben wir wirklich jeden Meter abgeklappert. Das Endschild in Delta Junction, Alaska, haben wir auch 🙂

Der Besuch im visitor center gibt uns die Entscheidungshilfe. Die Mitarbeiterinnen empfehlen die 40 über Grande Prairie, ein älteres, amerikanisches Ehepaar, das per Zelt unterwegs ist und gerade von diesem Highway kommt, erzählt auch von dort und pintoresken Landschaften. Allerdings haben sie keine Tiere gesehen.

Trotzdem: Entschieden! Kurzer Besuch bei Dollarama, um Perrier und stilles Wasser (und Schnickschnack, jahaaa..) einzukaufen, bei Bell unser mobiles wifi aufgeladen – und schon sind wir on the road.

 

Zunächst in die Provinz Alberta und da in den Ort Grande Prairie, den ich gern Great Plains nenne (tüterich). Auch ein Kaff, nur etwas grösser. Alles schreit auch hier nach Ölfeldern und Holzverarbeitung. Viel los auf den Strassen und überall Hinweisschilder, welche Wege die Laster mit gefährlichen Gütern nehmen sollten. Hätten Felleni und Tarantino einen gemeinsamen Sohn grossgezogen, hier würde er einen Film drehen. Mit einem grossen Bumm am Ende!

 

Von dem phantasieanregenden Grande Prairie biegen wir nach Süden auf die 40 und damit in dieselbe ab.

Auf der Karte sieht die Strecke, die vor uns liegt, ganz merkwürdig aus. Nur der Highway, links nichts, rechts nichts. Ein riesiger weisser Fleck, von dieser einen Ader 40 durchzogen. Dazu der Hinweis darauf, dass es auf den nächsten 240 Kilometern weder Benzin noch Einkaufsmöglichkeiten gibt.

Und trotzdem ist extrem viel los auf dieser Strasse. Überdimensionierte Laster kommen uns entgegen. Wo kommen die bloss alle her? Langsam klärt sich das Bild. Zu beiden Seiten des Highways sind riesige Camps entstanden, in denen Tausende Menschen leben, die auf den Ölfeldern arbeiten, Holz fällen oder Mineralien aus den Minen schaffen. Sie beuten ein Stück aus ubd zuehen dann mit Sack ubd Pack aufs nächste. Zu kurz, um einen Fleck auf der Landkarte zu erzeugen.

Die Laster sind manchmal beängstigend! Eigenartig ist auch, dass links und rechts des Highways viel Natur zu sehen ist. Wie ein Wall, hinter dem sie die Arbeitsgebiete verbergen wollten. Der Film geht weiter…

Zurück in die Realität: Das Wetter ist fürchterlich! Regen bei um die 16 Grad. Manchmal erahnt man den Zauber der Landschaft, wir sehen blühenden Raps und krabbeln bis auf 1300 Meter hoch, aber im Prinzip befinden wir uns auf einem riesigen Plateau auf durchschnittlich 650 Meter Höhe. Dadurch, dass es so neblig und trüb ist, wirken die Gebirge in ihrem Dunst fast tropisch. Dazu die schnurgerade gezogene Strasse – es wirkt durch die Lichtverhältnisse fast wie in  Brasilien. Hätten die unendlichen Birken hier statt ihrer Kronen Palmwedel, kämen wir bei manchen Panoramen tatsächlich ins Grübeln…

In Grande Cache (niemals zuvor gehört) finden wir eine Billigbutze namens Big Horn Motel, daneben ein gleichnamiges Restaurant – Tag vorbei. Morgen geht es in den Nationalpark. In der Bude fällt uns auf, dass unsere diversen Devices wie iphones, ipads und Rechner eine andere Zeit zeigen: Tatsächlich haben wir wieder mal die Zeitzone gewechselt und mit der Edmonton-Zeit eine Stunde verloren.

Man muss sich noch mal vergegenwärtigen, welche Strecken wir hier runterreissen. Es ist alles weit, und dadurch, dass die Highways oft klapprig sind, auch ziemlich zeitaufwändig. Abends, wenn man irgendwo auf einem Stuhl sitzt, hat man das Gefühl, dass sich der Boden leicht erschüttert. Wie ein kleines Erdbeben… In Wirklichkeit ist es die Vibration vom stundenlangen Autofahren, die sich noch etwas fortsetzt. Genauso wie nach einem längeren Törn auf See, wo alles an Land zu schaukeln scheint.

Im Moment nächtigen wir vorwiegend in Motels, weil wir so grosse Strecken bewältigen müssen und es wirklich anstrengend ist, den ganzen Tag im Auto zu sitzen. Dann noch Camping – och, nö. Müssen wir zu einem späteren, weniger anstrengendem Zeitpunkt wieder reinwirtschaften. Wird schon klappen.

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