Canyonland

 

Wir verlassen Salt Lake City über eine achtspurige Autobahn (16 mit Gegenrichtung), die Interstate 15, nach Süden und können kaum fassen wieviel Verkehr hier herrscht. In Acht nehmen muss man sich vor allem vor den Truckern – sie fahren, wie sie wollen, wechseln die Spuren, beschleunigen und bremsen nach gusto, also: fürchterlich.

Nach 30, 40 Meilen wird es ein bisschen ruhiger. Links und rechts überwiegend Landwirtschaft, aber auf dem karger werdenden Land auch Araberzuchten, viele Rinder, ein paar Bisons und mehr. Das ist hier Pferdeland wie Wyoming oder Montana. Und ähnlich wie im Norden erinnert ganz viel an Patagonien die Weiten, das Steppengras, die Farben, die in der Sonne immer durchscheinender werden. Wir sehen sogar einen wahrhaftigen Cowboy, der zu Pferd – nicht zu Truck, wie oft üblich – seine Kühe irgendwohin treibt.

Bei Scipio Verlassen wir den Freeway, tanken neben einem Streichelzoo, dessen einziges Kamel ziemlich bedröppelt aus der Wäsche guckt. Den Hasen ist es schnuppe, wer guckt und tatscht, dafür sind die Emus und Alpacas auf der Hut. Die Mischung aus Zebra und Maultier ist einfach nur fertig mit der Welt.

Wir hauen ab auf die 24 und kommen in eine immer unwirklicher erscheinenden Landschaft. Die ersten Felsformationen, dann wieder plattes Land auf 2000 Meter Höhe, auf dem Landwirtschaft betrieben wird.

Juan ist ganz begeistert von all den Schrotthaufen, die an der Strasse stehen: rostige Chevys, platte Trecker, marode Schulbusse… Alles, was sein Herz begehrt.

Ab Loa wird es dann ernst. Wir nähern uns dem Highway 12 und damit unvorstellbaren Landschaften und Canyons. Dass wir überhaupt hier sind, verdanken wir einem älteren Herrn aus Salt Lake City, mit dem ich ins Gespräch gekommen war. Er schwärmte geradezu von diesem by-way, deshalb haben wir uns entschieden, ihn zu nehmen. Zum Glück!

Trotz der Affenhitze sind wir zum Capitol Reef Nationalpark gefahren. Was für ein Erlebnis! Glühende Farben an skurrilen Bergformationen, von denen einige aussehen wie riesige Burgen oder Schlösser, andere massive Wände bilden. Ich weiss nicht, wie oft wir „ach“ und „oh“ und „mannomann“ gesagt haben. Wir können mit unseren Kameras nur andeuten, was sich hier vor unseren Augen abspielt. Sensationell! Grandiös! Jeden Umweg wert.

Auch wenn uns beiden auf 3000 Meter Höhe bei über 30 Grad leicht schwummerig geworden ist. Zum Glück gab sich das bald wieder, aber über die kurvigen Strassen, die rasanten Höhenunterschiede und die ungeheuren Eindrücke kann man schon mal ein bisschen meschugge werden.

Ab und zu läuft mal eine Kuh über die Strasse, was einen Trucker zur Vollbremsung zwingt. Gegen fünf sind wir in Tropic und fix und fertig von diesem Tag mit all den Eindrücken.

Booking.vom spuckt in der Nähe, in Bryce Canyon, ein Motel namens Bryce View Lodge aus. Für 59 Dollar beziehen wir ein sehr geräumiges, auffällig sauberes Zimmer. Wir brauchen erst einmal eine Pause und ein Bier, bevor wir übers Dinner nachdenken. Das wird dann schliesslich ein „Cowboy Buffett“ in Ruby’s Inn. Klingt wesentlich schlechter, als es tatsächlich ist.

Ein Riesenladen und voll bis unter die Decke. Auch hier natürlich ein grosses Chinesenaufkommen, aber auch Franzosen, die keinen Pieps Englisch sprechen, und vor allem Amerikaner, die jeden Mist mitmachen, der in Bryce Canyon City angeboten wird: flightseeing, Helikopter, Reitausflüge, Rafting, Climbing, Rodeo – alles, was irgendwie angeboten wird, wird von Jungen und Alten, Kranken und Siechen gebucht.

Interessant ist, dass der gesamt Ort seit 1916 ein Familienbetrieb ist. Ruby (eigentlich Reuben) hat sich mit seiner Frau hier niedergelassen,ü. Als der Bryce Canyon 1923 Nationalpark wurde, begann das Geschäft zu erblühen. Heute ist hier die Hölle los, die Goldmine noch lange nicht ausgeschöpft. ein bisschen wie Disneyland in Westernhand…

Ein bisschen besorgt werfen wir noch einen letzten Blick auf den Horizont: Über den Wälder haben sich dichte, schwarze Rauchschwaden entwickelt: Waldbrände im Südwesten Utahs. Mal sehen, wie weit die morgen vorgedrungen sind.

Genug für heute. Nach dem letzten Punkt gleich geht das Licht aus. Aus.

Kommentar (1)

  1. Elke

    so, ich bin wieder auf dem Laufenden, nachdem ich 6 Tage nachlesen musste 🙂 Sitze am PC und bestaune die Bilder , die man hier viel besser sehen kann, als auf dem Handy. Ich frage mich manchmal, wie ihr die so tollen Eindrücke alle aufnehmen und verarbeiten könnt..das ist ja schon der Wahnsinn. Für mich teilweise so unwirklich, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, dass ihr wirklich da seid…unfassbar toll! Trotzdem bin ich froh, wenn ihr wieder in der schönen Stadt Hamburg seid!!! Hier dreht sich momentan alles um den G20 Gipfel . Wir können Donnerstag und Freitag selber entscheiden, ob..wann und wie lange wir arbeiten wollen. Ich werde an beiden Tagen einen sechser machen und mit dem Fahrrad fahren.
    Lasst euch umarmen und passt auf euch auf!!

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