Alaska Highway

Wir sitzen auf dem Roberts Campingplatz in Whitehorse, der Hauptstadt des Yukon. Vor uns ein Flasche Malbec aus Kanada, hinter uns ein langer, langer Weg von Dease Lake in British Columbia bis an die Kreuzung des Cassiar Highways mit dem berühmten Alaska Highway und weiter bis Whitehorse.

Über 600 Kilometer liegen hinter uns, entsprechend platt sind wir auch.

Unser Campingplatz am morgen, kurz hinter Dease Lake, ist ein Traum und wir schlafen wie die Bären. Juan ist um vier wach, traut sich aber nicht, mich zu wecken. Um sieben bin ich aber auch hellwach und ausgeruht. Draussen ist es klirrend kalt, um den Gefrierpunkt in der Nacht, jetzt nur zwei Grad wärmer. Unser Ikea-Bettzeug hält uns wirklich warm, aber der Hero ist die Silberfolie! Statt unser Frühstücksbesteck auszupacken, fahren wir zurück nach Dease Lake und frühstücken in der Tankstelle, die gleichzeitig Restaurant, Supermarkt und mehr ist. Es gibt einen langen Tisch, im Rücken das Munitionsschränkchen, vor der Brust einen Pappteller mit zwei Eiern over easy, zwei Scheiben Toast und vor allem Kaffee. An einem Ende des Tisches sitzt eine Mutti mit zwei Kindern, am anderen ein einsamer Waldschrat. Nachdem der weg ist, kommen vier, fünf Männer mit orangefarbenen Westen auf ein Käffchen vorbei. Eigentlich könnte man hier den ganzen Tag sitzenbleiben und glotzen. Die beiden First Nation Frauen (Indianerinnen darf man wahrscheinlich nicht mehr schreiben?) belegen riesige Mengen von Muffins mit Rührei, Schinken, Käse. Heute ist Sonntag, es wird später viel los sein.

Wir reissen uns los von diesem lebendigen Schauspuel und fahren auf der 37 nach Norden. Mit Bären rechnen wir nicht. Chuck, der Mann vom Campingplatz, hat uns versichert, sie kämen nicht in die Stadt. Wir lachen immer noch, weil wir uns fragen, was er wohl mit Stadt meinen könnte.

Die Strasse durch endlose Wälder, vorbei an zauberhaften Seen ist in relativ gutem Zustand. Und das Schönste: das Wetter ist gut! Die Sonne scheint, überall glitzert Wasser – Bilderbuch-Kanada.

Irgendwann bremsen wir in Jade City, das von sich behauptet, der Welt grösste Jade-Stadt zu sein. Ein Grossteil der Steine, sagen sie, werde nach China exportiert. Wenn wir uns die geschnitzten Bären so angucken, könnte das auch umgekehrt richtig sein…

Erstmals nach fünf Wochen – sieht man mal von dem Mini-Alaska-Abstecher nach Hyder ab – verlassen wir British Columbia und biegen auf den Highway 1, den Alaska Highway, ein. Genau an der Kreuzung gibt es noch einmal Benzin, ein Klo, das man nur durch eine dunkle Werkstatt erreicht
– und los nach Westen ins Klondike-Land!

Schneebedeckte Gipfel, aber auch Kilometer um Kilometer abgebrannte Wälder passieren wir auf den nächsten zig Kilometern. Der Alaska Highway ist noch jung: in einem enormen Kraftakt wurde die über 2000 Kilometer lange Strasse in nur acht Monaten von den US-Amerikanern gebaut. Nach dem Angriff auf Pearl Harbour hatten sie angst, Alaska womöglich an die Japaner zu verlieren. Der Deal mit den Kanadiern: die Amis bauen, nach dem Krieg gehört alles Kanada. Fast 20 000 Menschen waren am Bau beteiligt. Dennoch ein dolles Ding, es in so kurzer Zeit geschafft zu haben. Da fällt mir ein: Heute vor genau fünf Jahren sollte der Berliner Flughafen eröffnet werden…

Unsere Zoo-Bilanz des Tages ist noch ziemlich mies. Es steht 4:4 Hasen gegen mickrige Squirrels, Eichhörnchen. Dann sehen wir fernab von der Strasse einen Elch. Umdrehen, gucken, knipsen. Ein schönes, junges Tier. Wir beobachten es ein paar Minuten, dann geht es weiter. Gemütlich, denn wir wollen die Aussichten geniessen. Hinzu kommt noch, dass der Alaska Highway streckenweise in einem erbärmlichen Zustand ist: Schotterpisten, die riesige Staubwolken zur Folge haben – wir fürchten auch ein bisschem um unsere Windschutzscheibe, doch sie überlebt unverletzt.

Danach ist Schluss mit Tieren, aber der Beginn von unvergesslichen Panoramen, die man mit dem Yukon verbindet. In Teslin am gleichnamigen, 160 Kilometer langen See machen wir eine Pause.
Mit dem Aufgebot an überdimensionierten Wohnmobilen, jeweils mit irgendeinem Auto, Truck oder sonstwas anhängend, kann in Europa keine Campingmesse mithalten. Unglaublich!
Es ist vier oder fünf, wir essen eine Suppe, ein Sandwich und einen Burger, trinken Kaffee, überlegen kurz, ob wir hierbleiben sollten. Aber bis Whitehorse sind es nun noch 160 Kilometer – die schaffen wir auch noch.
An der Rezeption des Campingplatzes (empfohlen von DuMont) sitzt eine junge Frau, die mit ziemlichem Akzent Englisch spricht. Deutsch auch, denn sie kommt aus Sachsen. Unser Campingplatz ist ruhig und gemütlich. Wir stellen zwei Stühle auf, um zu signalisieren, dass das Plätzchen besetzt ist und fahren noch mal in die Stadt. Gegessen haben wir ja schon in Teslin, aber ein Weinchen wäre gut. Genau gegenüber von der Büste von Jack London (er hat um die vorvergangene Jahrhundertwende seine Fantasie in Whitehorse beflügelt) kaufen wir an der Rezeption eines Hotels den Malbec. Die dürfen den Stoff nicht ausstellen, haben aber eine Lizenz zum Verkauf. 13 Dollar später und nach dem Besuch des Raddampfers S.S. Klondike sind wir zurück auf dem Campingplatz. Bevor die Weinflasche leer ist, machen wir noch einen kleinen Spaziergang zum Yukon und besehen aus der Ferne das Wasserkraftwerk.

Dann noch ein bisschen andando – und Schluss für heute!

Kommentare (2)

  1. Andrea

    Das sind schon ziemlich beeindruckende Landschaften. Euch weiter viel Spaß auf der Bärenjagd.

    Antworten
    1. admin (Beitrag Autor)

      kann man wohl sagen 🙂 heute geht es über den top of the world hwy nach alaska. alles ein bisschen unwirklich! gehts dir gut, mein hasenzahn!

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *